Die erste Stolpersteinverlegung in Surberg

Am 22. Mai 2026 verlegte Gunter Demnig auf dem Kirchplatz in Surberg (Landkreis Traunstein) einen Stolperstein für Ernestine Reinhardt.

Mit dabei waren ihre Tochter Sonnia Reinhardt und etwa fünfzig weitere Bürgerinnen und Bürger.

Ernestine Reinhardt wurde als Sintezza von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgt.
Als junge Frau musste sie in mehreren Konzentrationslagern unter lebensgefährlichen Umständen Zwangsarbeit verrichten. Sie überlebte, aber viele Familienmitglieder wurden von den Nazis ermordet.

Vor ihrer Deportation wohnte Ernestine Reinhardt zuletzt in Wiesen, einem kleinen Weiler in der Nähe. Da dort nur wenig Menschen vorbeikommen, wählten wir den idyllischen Kirchplatz im Zentrum der Gemeinde als Verlegeort.

2. Bürgermeister Jakob Steiner

Der 2. Bürgermeister der Gemeinde Surberg Jakob Steiner hielt eine sehr persönliche und bewegende Rede. Die Patin des Stolpersteins, Khando Ronge aus Prien, stellte die Biographie von Ernestine Reinhardt vor, die Friedbert Mühldorfer (VVN Traunstein) verfasst hatte, ergänzt mit Anmerkungen von Sonnia Reinhardt. Für die sehr schöne musikalische Umrahmung sorgte der Gitarrist Stefan Starzer.

Das Traunsteiner Tageblatt berichtete ausführlich über die Verlegung.

Der geschmückte Stolperstein (Foto: Zillner)
Vor dem Stolperstein (v.l.n.r.): Dr. Thomas Nowotny, 2. Bürgermeister Jakob Steiner, Gunter Demnig, Sonnia Reinhardt, Gemeinderat Robert Hintereder, der heute mit seiner Frau das ehemaligen Wohnhaus von Ernestine Reinhardt in Wiesen bewohnt (Foto: Brunner)

Nun hat die Gemeinde Surberg eine dauerhafte Erinnerung an ihre frühere Bewohnerin Ernestine Reinhardt – und zugleich an die etwa 25.000 Sinti und Roma aus Deutschland und Österreich, die dem Massenmord der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind. Die Opferzahl der Sinti und Roma in ganz Europa wird auf eine halbe Million Menschen geschätzt.

Leider berichten viele Sinti und Roma über fortdauernde Diskriminierung und Ausgrenzung durch staatliche Behörden und Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft. Es ist unser Auftrag aus der Geschichte, dem Antiziganismus und Rassismus entgegenzutreten und für eine Gesellschaft zu kämpfen, die die Rechte aller Menschen respektiert.